Dicke Schinken für den kleinen Bruder

9. Mai 2010 at 19:15

Photoshop Elements (PSE) ist eine Bildbearbeitung, die ihrem großen Vorbild Photoshop CS nur in wenigen Details nachsteht. Bei den fehlenden Funktionen handelt es sich um Dinge, die in erster Linie für Profifotografen hilfreich sind, die mit der Digitalfotografie ihr täglich Brot verdienen. Wenn auch gegenüber dem großen Bruder abgespeckt, so ist das aktuelle PSE 8 so umfasend ausgestattet, dass es ohne ergänzende Anleitung schwerfällt, den Funtionsumfang nur annährend auszunutzen.

Nachdem ich mich nach vielen Jahren daran gewöhnt hatte, dass moderner Software meist keine gedruckte Anleitung mehr beiliegt, sondern nur noch die elektronische Ausgabe in Form einer PDF-Datei, war ich einigermaßen enttäuscht, als ich nach dem Kauf von PSE 8 feststellte, dass hier selbst die PDF-Datei eingespart wurde. Man muss sich das 24 MB große Dokument über das Internet herunterzuladen, was sich allerdings auch nicht wirklich lohnt: es wurde offenbar von Programmierern für Computer-Anwender geschrieben und nicht etwa von Fotospezialisten für Bildbearbeiter.

Wie gut also, dass es den Buchhandel gibt. Da ich über langjährige Bildbearbeitungserfahrung verfüge, griff ich dort gleich zu einigen umfangreicheren Werken – allesamt um die 40 EUR pro Exemplar – die auch tiefergehende Beschreibungen erwarten ließen. Alle Bände sind – wie man es heute in dieser Preislage von einem Buch über fotografische Themen erwartet – im Vierfarbdruck gefertigt und auf den ersten Blick gut gestaltet und gefertigt. Sie könnten, rein unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, also alle empfohlen werden.

Fotoschule / Photoshop Elements 8. Von Christian Haasz, Uli Ries, und Inamarie Späth, Franzis, 2009, 672 S., EUR 49,00

Franzis’ Fotoschule wirkt ein großes Bilderbuch und geht inhaltlich kaum über die Inhalte der Online-Hilfe hinaus. Systematisches Arbeiten ist damit kaum möglich.

Photoshop Elements 8 – Der Meisterkurs: für alle, die mehr können wollen. Von Michael Hennemann, Markt+Technik, 2009, 384 S., EUR 39,95

Der Meisterkurs wirkt eher wie eine Einführung für Anfänger. Er besteht aus nicht einmal 400 Seiten, die großflächig illustriert sind, und seine relative Textarmut kann nicht wirklich tief in die Software führen. Immerhin ist es gut gestaltet und dank guten Bildmaterials recht anschaulich.

Adobe Photoshop Elements 8 Workshops. Organisation, Bildbearbeitung, Präsentation. Von Thorsten Wiegand, mitp-Verlag, 2010, 304 S., EUR 34,95

(für absolute Bildbearbeitungsneueinsteiger)

Auch Thorsten Wiegands Workshop-Buch ist eher für Einsteiger gedacht. Systematisch und gut verständlich führt es in alle Bereiche der Bildbearbeitung ein. Der praxisbezogene Aufbau orientiert sich am sinnvollen Workflow. So bekommen Menschen, die sich zum ersten Mal an die digitale Bildbearbeitung heranwagen, einen sehr guten Einstieg in die Materie vermittelt. Für Fortgeschrittene ist es mangels (den Einsteiger aber meist verwirrenden) Tiefgangs eher ungeeignet.

Photoshop Elements 8 für digitale Fotografie. Von Scott Kelby und Matt Kloskowski, Addison-Wesley, München, 2010, 480 S., EUR 39,80

Das Buch von Kelby besteht aus zahlreichen kleinen Workshops, die übersichtlich aufgebaut und gut bebildert sind. Es ist ein sehr gutes Buch zum strukturierten Lernen und Vertiefen. Als Handbuchersatz zum Nachschlagen ist es weniger geeignet. Auch für absolute Anfänger ist es meiner Ansicht nach nicht sonderlich geeignet, hier empfehle ich eher Wiegands Workshops. Die ganz spezielle amerikanische Lockerheit, das gewollt und aufgesetzt wirkende Witzige, könnte manch einen Leser nach kurzer Zeit nerven. Mir jedenfalls gefällt Kelbys flapsiger Stil immer weniger.

Adobe Photoshop Elements 8: Das umfassende Handbuch für Windows und Mac. Von Jürgen Wolf, Galileo Press, 2009, 807 S., EUR 39,90

Vor dem Besuch der Buchhandlung war Wolfs umfassendes Handbuch mein Favorit gewesen. Auch die Buchhändlerin empfahl es mir mit den Worten “Galileo ist da führend”. Neben Quedenbaums Handbuch ist es das einzige Buch mit rund 800 Seiten Umfang – ein echtes Schwergewicht. Leider fand ich es nicht ganz so klar strukturiert und musste viel hin und her blättern. Es ist wortreich geschrieben, aber nicht immer sofort anschaulich. Sämtliche Filter sind mit jeweils einem Beispielbild seitenlang aufgelistet, aber nicht ernsthaft beschrieben. Andererseits werden viele interessante Themen angesprochen und dabei nicht nur angerissen, sondern mit angemessenem Tiefgang behandelt. Auch das “Aufbohren” der Software durch Plugins wird behandelt. Für absolute Anfänger könnten viele Abschnitte schon unverständlich sein – die Zielgruppe des Autors scheinen also eher Fortgeschrittene zu sein, die mit den Grundlagen der Digitalfotografie und Bildbearbeitung schon vertraut sind.

Das Photoshop Elements 8 Handbuch, für die Praxis und zum Nachschlagen, für Windows und Mac. Von Martin Quedenbaum, Addison-Wesley, 2010, 800 S., 39,80

Ganz anders ist Quedenbaums Handbuch aufgebaut. Wen das – für meinen Geschmack – grässlich-kitschige Titelbild nicht abschreckt, den erwarten 19 logisch aufgebaute Kapitel. Das Verhältnis zwischen Text und Bildmaterial ist sehr ausgewogen. Bild und Text ergänzen sich immer sehr gut. Die Gestaltung lädt nicht nur zum Nachschlagen, sondern wirklich zum Lesen ein – Wolfs Buch gelang das bei mir nicht. Martin Quedenbaum verfügt über ein sehr gutes Abstraktsionsvermögen und führt mit klarer Sprache ohne unnötigen Ballast immer direkt “auf den Punkt”. Seitenschinderei im Stil übergroßer Screenshots/Fotos oder leerer (und damit sinnloser) Aufzählungen und ausufernder Texte gibt es in diesem Buch kaum, deshalb hat es eine sehr hohe Informationsdichte. Lediglich der Anhang hätte vielleicht etwas kompakter gestaltet sein können.

Allein knapp 100 Seiten sind der Ebenentechnik gewidmet. Mit gut nachvollziehbaren Beispielen wird dieser wichtige Bereich auch Einsteigern verständlich gemacht. Auch das Kapitel über Filter ist mit mehr als 100 Seiten als wirklich umfassend zu bezeichnen. Hier werden die Filter nicht nur einfach aufgelistet und abgebildet (das kann die Software selbst besser), sondern ihr jeweiliger Nutzen durch teilweise sehr ausführliche Beschreibungen klar herausgearbeitet.

Die Zielgruppe für dieses Buch scheinen auf den ersten Blick fortgeschrittene Amateurfotografen zu sein, die auf PSE 8 wechseln. Weil der Autor es trotz Tiefgangs schafft, sich immer sehr einfach und verständlich auszudrücken, ist diese Buch aber gleichermaßen auch für Einsteiger zu empfehlen. Vieles, das sich nach der Lektüre eines Einsteigerbuches als Frage auftun würde, wird hier gleich mit beantwortet.

Fazit

Die einzigen wirklich umfassend informierenden Werke zu PSE8 sind die von Wolf und Quedenbaum. Die meisten anderen wirken dagegen unvollständig. Dennoch deckt auch keines dieser beiden Bücher wirklich alles ab, so dass Sie beide vor einem Kauf intensiv selbst vergleichen sollten!

Für mich hat Quedenbaums Handbuch die Nase knapp vorn. Dank guter Struktur, verständlicher und gut illustrierter Anleitungen ist es für Einsteiger wie Umsteiger und Fortgeschrittene geeignet, sich in PSE8 hineinzuarbeiten. Dennoch steht auch Wolfs Buch in meinem Regal, weil es einige zusätzliche Punkte anspricht und auch recht tief in die Materie einsteigt. Wie schon mit Version 4, werde ich auch mit Version 8 wieder viele Jahre arbeiten und habe nun das Gefühl, auf Anhieb wirklich alles über diese Software finden zu können.

Absoluten Digitalfotgrafie-Neulingen sei das sympathisch-anschaulich-sachliche Buch von Thorsten Wiegand empfohlen.

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Bücher zu Expression Web 2 Eines meiner schönsten Computerbücher


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